Herren-Spieltag gegen Braunschweig und Kiel

Kalt sollte es werden am Wochenende. Und kalt wurde es. Bei knackigen 0 Grad fand sich die Herrenmannschaft von Göttingen Lacrosse am Sonntag morgen zusammen, um zum Ligagipfel nach Braunschweig zu fahren. Neben dem ersten Spiel des Tages gegen die erst letzte Saison in die zweite Spielklasse abgestiegene Heimmannschaft stand noch eine weitere Partie gegen den amtierenden Ligameister Kiel an. Es sollte also keine einfache Aufgabe für die Jungs aus der Wissenschaftsstadt werden, zumal beide Teams in der laufenden Saison noch ungeschlagen waren. Dennoch rechnete sich die Mannschaft gute Chancen aus, zumindest aus einem der beiden Matches 3 Punkte mit nach Hause zu nehmen. Denn auch die Statistik der Göttinger konnte sich sehen lassen: Mit zwei Siegen und einer nur denkbar knappen Niederlage nach Overtime und Sudden Death gegen die heimstarken Hamburger (im Lacrosse gibt es kein Unentschieden) hat das Team in den vergangenen Wochen enorm Selbstvertrauen tanken können.

Das vereiste Kunstrasenfeld des BTHC.

Das vereiste Kunstrasenfeld des BTHC.

Göttingen-Braunschweig

Ganz im Gegensatz zu den frostigen Temperaturen des über den Norden rollenden Wintereinbruchs waren alle Spieler heiß auf die zwei Spiele. So störte es wenig, dass der Hockeyrasen des BTHC zum Start des Warm-Ups noch tiefgefroren war und das einsetzende Schneetreiben das Feld weiß färbte. Ohnehin wurde die erste Partie bereits kurz nach dem Opening Face-Off so spannend, dass sie das Spielfeld sogleich zum schmelzen brachte. Es entwickelte sich eine stets ausgeglichene Partie auf Augenhöhe gegen Gegner Braunschweig, bei der die Tordifferenz zu keinem Zeitpunkt über einem Tor liegen sollte.
Zu Beginn taten sich die Göttinger jedoch noch ein wenig schwer mit dem Ride-System des Gegners, die mit einer 3-3er Zone auf eine durchaus exotische Taktik zurückgriffen. So gelang es dem Nachbarschaftsrivalen, den Spielaufbau bereits frühzeitig zu unterbinden und viele Bälle bereits im Mittelfeld abzufangen. Die Mittelfeldlinien wurden so zu viel Laufarbeit gezwungen, und schon nach gut zweieinhalb Minuten netzte der Braunschweiger Cem zum 0:1 Rückstand ein. Nach einem Time-Out und einer erneuten taktischen Einstellung der Midis durch Coach Dehl entwickelte das Göttinger Team aber immer mehr Sicherheit im Umgang mit dem ungewohnten Setup der Heimmannschaft und hatte schon bald den deutlich größeren Anteil am Spiel. Konsequenterweise gelangen von Herder und Arndt in den Minute 11 und 15 zwei Abschlüsse, die nach dem ersten Quarter die 2:1-Führung bedeuteten.

Die Wechselbox war wieder gut befüllt.

Die Wechselbox war auch diese Woche wieder gut befüllt.

Spätestens nun wurde allen Spielern klar, das gegen die früheren Spielgemeinschafts-Kollegen alles möglich war. Nachdem der Schwung nicht direkt mit in das zweite Quarter genommen werden konnte, mussten in der Halbzeit leider zwei Gegentreffer und damit der vorläufige 2:3-Rückstand verdaut werden. Doch die Spieler pushten sich gegenseitig und spielten geeint wie nie, sodass Attacker Minett in Minute 47 einen Traumpass von Niehaus direkt an die Crease nur noch vom Schläger abprallen lassen musste, um das Ergebnis zu korrigieren. Auch auf die erneute zwischenzeitliche Führung durch Ex-Göttinger und Braunschweig-Chef Ulmer fand die Equipe in dem zweiten Treffer des starken Middies von Herder vier Minuten später die passende Antwort. Zum zweiten Mal in dieser Saison ging es also mit einem Gleichstand in das letzte Quarter. Sofort wurden die Erinnerung an den Krimi des ersten Spieltags in Hamburg wach. Da absolut niemand eine Wiederholung erleben wollte, wurden ein letztes Mal alle Kräfte mobilisiert, um die langsam konditionell schwächelnden Braunschweiger endlich in die Knie zu zwingen. Auch bei dem Gegner kochten die Emotionen hoch, die Nerven lagen auf beiden Seiten blank. Leider schien dem leitenden Ref-Gespann an dieser Stelle ein wenig die Fäden aus den Händen zu gleiten, sodass einige gefährliche Slashes ungeahndet blieben, während kleinere Vergehen mit großer Härte bestraft wurden. So hatten die Göttinger in Minute 77 und 78 das Pech, mit “zwei Man Down” gegen den Ansturm der Braunschweiger verteidigen zu müssen. Die verblüffenden Parallelen zum Hamburg-Spiel zogen sich nach vielen starken und höchst engagierten Abwehraktionen der Defense leider bis zum Treffer der Braunschweiger hin. Nachdem die noch immer hoch konzentrierten Göttinger in den kommenden zehn Minuten keine Antwort finden konnte, tat sich in der letzten Minute des Spiels plötzlich die letzte Chance auf: Wieder eine two-man-up-Situation, diesmal auf der angreifenden Seite. Eigentlich ein sicheres Tor, doch das durch Coach Dehl auserkorene Überzahl-Team konnte erneut nicht überzeugen und verfehlte entsprechend den späten Ausgleich. Wo gerade noch die Wechselbox aus beinahe 10 Kehlen die Kameraden auf dem Spielfeld zu Höchstleistung trieb, brach plötzlich Stille herein, und Viele sanken in dem erneut einsetzenden Schneefall enttäuscht zu Boden. Der Stachel, erneut ein so ausgeglichenes Spiel zu verlieren, saß tief, und manch einer sah sich an die Strähne der knappen Niederlagen aus der Hinrunde der letzten Saison erinnert.

Auch bei Niederlagen ein starkes Team.

Auch bei Niederlagen ein starkes Team.

Göttingen-Kiel

So galt es im zweiten Spiel des Tages, die trüben Gedanken nicht in die erste Winterdepression umschlagen zu lassen, sondern in positive Energie gegen Nordlicht Kiel umwandeln zu können. Jedoch hatten die eisigen Bedingungen und der harte, achtzigminütige Fight gegen Braunschweig bereits Spuren hinterlassen, und so konnte mit dem Tempo der frisch umgezogenen, furios startenden Kieler nicht mitgehalten werden. Der Kieler Facer konnte unseren zuvor extrem starken und noch immer hart arbeitenden Lucas Rudelt oft direkt schlagen und das Göttinger Mittelfeld regelrecht überlaufen. Auch in den folgenden Spielphasen wussten die Göttinger dem Spiel des Vorjahresmeisters nichts entgegenzusetzen. Die Attack fand keine Mittel, den Torwart der Kieler zu überlisten, die Defense bekam nicht genügend Druck auf die starke gegnerische Offense, insbesondere bei den zu spät kommenden Slides machte sich die geistige Ermattung bemerkbar. Herausragend war jedoch wieder einmal Goalie Philipp (Ulle) Ulrich, dessen Leistung von Spiel zu Spiel exponentiell zu wachsen scheint. Das Göttinger Team versuchte nun trotz der besiegelten Niederlage so viel wie möglich aus dem Spiel zu lernen und probierte einige Dinge aus. Zumindest der Spaß konnte den Spielern nicht genommen werden, und so ging es nach einem 4:14 und dem Shakehands bereits ohne allzu großes Trübsal an das erste Spiel des Tages in die wohlverdiente, heiße Dusche.

Schneetreiben zu Beginn des Spiels Braunschweig-Kiel

Schneetreiben zu Beginn des Spiels Braunschweig-Kiel

Braunschweig-Kiel

Pünktlich zum Anpfiff der Partie der beiden Tagesgegner setzte unter dem aufgeflammten Flutlicht dann starkes Schneetreiben ein, und Mitte des zweiten Quarters waren die Referees gezwungen, aufgrund der Wetterbedingungen das Spiel beim Stand von 2:2 abzubrechen.

Für die Göttinger ging es unterdessen bereits entlang des zugeschneiten Weser- und Harzumlandes nach Hause – mit dem unbedingten Willen, im Heimspiel nächste Woche mit zwei Siegen auf den dritten Tabellenplatz zu Hamburg aufzuschließen.

(Ein Spielbericht von Max Reyer)

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